Schönefeld (Leipzig)

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Schönefeld ist ein im Nordosten Leipzigs gelegener Stadtteil. Vor der Eingemeindung 1915 war es ein Dorf und Rittergut bzw. eine Landgemeinde. Nach der kommunalen Gebietsgliederung Leipzigs von 1992 bildet das Neubaugebiet Schönefeld-Ost mit einem kleinen Teil von Abtnaundorf einen eigenen Ortsteil, während die alte Ortslage zusammen mit dem größeren Teil Abtnaundorfs und weiteren Gebieten den Ortsteil Schönefeld-Abtnaundorf ergeben. Beide Ortsteile haben zusammen gut 23.000 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1270 wurde erstmals ein markgräfliches Dorf namens „Schonenvelt“ erwähnt. Der ursprüngliche Dorfanger befand sich zwischen der heutigen Robert-Blum-Straße und der Ossietzkystraße. Von 1307 bis zur Reformation gehörte es dem Augustiner-Chorherrenstift St. Thomas zu Leipzig. 1527 wurde die Dorfkirche nach einem Brand neu erbaut.

Nach Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg ließ der damalige Besitzer Georg H. von Thümmel das Gutshaus in barocken Formen wiedererrichten. Am 27. Mai 1738 wurde dort der Schriftsteller Moritz August von Thümmel geboren. 1747 erbte der Hofrat Johann Friedrich Zeumer (1717–1774) das Rittergut. Dieser vererbte es dem Ehemann seiner Base Christiana Friederika geb. Meurer (1713–1774), dem Kanzleidirektor und Hofrat Johann Christoph Schmidt (1704–1781). Im Jahr 1794 erwarb der aus der Schweiz stammende Pelzhändler Johann Ullrich Schneider (1747–1815) das Rittergut (der sich jedoch aufgrund der konfessionellen Diskriminierung als Calvinist des Merseburger Beamten Ludwig Schneider als „Strohmann“ bediente). Die Nachfolge Johann Ullrich Schneiders traten seine Tochter Marianne (1792–1849) und ihr Ehemann Franz Botho Freiherr von Eberstein (1787–1841) an.

Während der Völkerschlacht im Oktober 1813 wurde das Dorf völlig zerstört, doch bereits 1820 wurde der Neubau der noch heute genutzten klassizistischen Gedächtniskirche abgeschlossen. Dort heirateten 1840 Clara und Robert Schumann. Schönefeld gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.

Im Zuge des Baus der Bahnstrecke Leipzig–Dresden, die über das Gebiet des Rittergutsbezirks Schönefeld (zunächst entlang der heutigen Eisenbahnstraße) verlief, ließ sich der südlich der Trasse gelegene Teil in den 1830er-Jahren nur noch schwer bewirtschafteten. Die Gutsbesitzer Marianne und Franz Botho von Eberstein parzellierten daher das Areal und verkauften es an Immobilienentwickler, die dort ein Arbeiterwohngebiet errichten. Dieses hieß zunächst Colonie Eberstein und wurde 1845 als Neuschönefeld eine selbstständige Gemeinde. Hedwig von Eberstein erbte nach dem Tod ihrer Mutter 1849 das Rittergut. Sie ließ das während der Völkerschlacht zerstörte Schloss 1871–1876 wiederaufbauen. Im Süden des Rittergutsbezirks (nördlich von Neuschönefeld) entstand ab 1870 der Neue Anbau vor Schönefeld, ein weiteres dicht besiedeltes Arbeiterviertel, das 1881 als Neustadt bei Leipzig eine eigene Gemeinde wurde.

Im Zuge des explosionsartigen Wachstums der Leipziger Bevölkerung entwickelte sich auch Schönefeld selbst zunehmend vom Bauerndorf zu einem Arbeitervorort. Die Bevölkerungszahl stieg von 889 Einwohnern im Jahr 1834 auf 4344 (1890) und 14 879 (1910) – trotz der Ausgliederung von Neuschönefeld und Neustadt. Im Bereich der Dimpfelstraße entstanden bereits in den 1880er-Jahren viergeschossige Wohnhäuser in geschlossener Bauweise und Gründerzeitstil. Der Bahnhof Schönefeld an der Bahnstrecke Leipzig–Eilenburg wurde 1888 eingeweiht und in der Folgezeit mit dem Bau des Leipziger Güterrings ausgebaut. Seine Lage – mehr als 2 km östlich des Ortskerns – war jedoch für Schönefeld ungünstig. Der Reiseverkehr wurde 1942 mit der Verlegung der letzten Personenzüge vom Eilenburger Bahnhof zum Hauptbahnhof eingestellt. Bauliche Reste der Reiseverkehrsanlagen dieses Bahnhofs finden sich in der nördlichen Elisabeth-Schumacher-Straße. Zudem erhielt Schönefeld durch die Leipziger Elektrische Straßenbahn 1896, ausgehend von der Mockauer Straße durch die Volbedingstraße, Anschluss an das Leipziger Straßenbahnnetz.

Als Hedwig von Eberstein 1900 kinderlos starb, vermachte sie ihr großes Vermögen der wohltätigen Mariannenstiftung (benannt nach ihrer Mutter Marianne von Eberstein). Zudem verfügte sie testamentarisch, dass das Areal westlich der Lindenallee (heute Schönefelder Allee) unbebaut bleiben sollte. Dort wurde ab 1913 der Volkspark Schönefeld angelegt, der seit 1931 Mariannenpark heißt.

Die Gemeinde Schönefeld errichtete 1905–06 ein Rathaus, der Bau kostete rund 380.000 Reichsmark. Ab 1905 wurden östlich der heutigen Gorkistraße, zwischen Kohlweg und Waldbaurstraße, mehrere Häuserblocks mit über 1680 Wohnungen geschaffen, die heute als Schönefelder Höfe bezeichnet werden. 1915 erfolgte schließlich die Eingemeindung Schönefelds nach Leipzig.

In den Jahren 1974 bis 1976 wurde der Neubauwohnkomplex Schönefeld-Ost mit mehr als 4000 Wohnungen errichtet (siehe Plattenbauten in Leipzig). Hier befindet sich auch die Jugendherberge Leipzig in einem modernisierten, ursprünglichen Internatsbau.

Die 1990 gegründete Aktiengesellschaft VNG – Verbundnetz Gas hat ihren Sitz in Schönefeld. Der Ernst Klett Verlag hat eine Zweigniederlassung im Gewerbegebiet in der Braunstraße.

Nach der kommunalen Gebietsgliederung Leipzigs von 1992 bildet das Neubaugebiet Schönefeld-Ost mit einem kleinen Teil von Abtnaundorf einen eigenen Ortsteil, während die alte Ortslage zusammen mit dem größeren Teil Abtnaundorfs und weiteren Gebieten den Ortsteil Schönefeld-Abtnaundorf bilden.

Quellen[Bearbeiten]